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Sehschärfe
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
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Mit Sehschärfe (auch: Visus, Acies visus, Minimum separabile) bezeichnet man das AusmaĂ der Fähigkeit eines Lebewesens, mit seinem Sehorgan Konturen und Musterdetails in der AuĂenwelt als solche wahrzunehmen. Zur Begriffsklärung bedarf es der Unterscheidung weiterer wesentlicher Merkmale.
Ein Maà fßr die (zentrale) Sehschärfe im Hellen ist der Visus; er ist der Kehrwert der kleinsten erkennbaren Lßcke im Standard-Prßfzeichen (dem Landoltring, s. u.).cite-ref-1[1] Beim Menschen wird sie mittels eines Sehtests bestimmt. Selbst kann man sie z. B. an freisichtigen Doppelsternen, den sogenannten Augenprßfern, ermitteln.
Contents
⢠Differenzierung
⢠Minimum visibile
⢠Minimum legibile
⢠Einheiten
⢠Sehprobentafeln
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Differenzierung
Minimum visibile
Unter Minimum visibile versteht man die Grenze der Sichtbarkeit. Diese wird dann erreicht, wenn sich Objekte, die betrachtet und auf der Netzhaut abgebildet werden, nicht mehr als Kontur und Kontrast von der sie umgebenden Leuchtdichte abgrenzen. Dies bedeutet, dass die Erkennbarkeit von AuĂenobjekten im Wesentlichen von der Fähigkeit des visuellen Systems abhängt, Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen.
Minimum discriminibile
Mit Minimum discriminibile bezeichnet man die Erkennbarkeitschwelle fĂźr kleinste Unterschiede von AuĂenobjekten. In PrĂźfsituationen geht es hier beispielsweise um die Klärung, ob es sich beim Betrachten einer Linie um eine durchgehende Linie oder um eine so genannte Noniusanordnung handelt (Noniussehschärfe, engl.: Vernier acuity oder Hyperacuity), ob eine minimale Ortsänderung (Bewegung) oder auch eine Orientierungsänderung (Verkippung) zweier Objekte zueinander stattgefunden hat.
Minimum separabile
Das Minimum separabile (Synonyme: anguläre Sehschärfe, Visus) erfordert neben einer relativen Lokalisation eine Trennung eng benachbarter Konturen, die durch minimale LeuchtdichteÂ-Unterschiede auf der Netzhaut eben noch als getrennt wahrgenommen werden kĂśnnen. Hierbei Ăźberlagern sich die Leuchtdichteverteilungen der benachbarten Objekte umso mehr, je enger die Muster im AuĂenraum nebeneinander liegen.
Diese Ăberlagerung verursacht z. B. den Unterschied zwischen der idealen Sehschärfe (beim Menschen 0,5 bis 2â˛) und der praktischen Erkennbarkeit von Doppelsternen (bei sogenannten AugenprĂźfern etwa 3 bis 10â˛), je nach ihrer Helligkeit.
Minimum legibile
Das Minimum legibile ist die Lesesehschärfe. Sie unterscheidet sich von den anderen Sehschärfenvarianten durch die Miteinbeziehung gespeicherter Formen von Optotypen als Wortbestandteile. Daher ist ihr Wert in der Regel auch hÜher als der Wert der anderen Sehschärfenarten, weil hier WÜrter nicht nur erkannt, sondern auch nach dem Sinne des Kontextes eingeordnet werden.
Einheiten
Die Winkel-Sehschärfe (angulare Sehschärfe) ist das AuflÜsungsvermÜgen, bei dem zwei Sehobjekte noch als getrennt wahrgenommen werden (Minimum separabile). Die AuflÜsung von 1Ⲡ(einer Winkelminute) entspricht einer OrtsauflÜsung von etwa 1,5 mm bei 5 m Abstand. Je kleiner die Winkel-Sehschärfe ist, desto besser ist die Sehschärfe.
Die dimensionslose Eigenschaft Visus wird definiert, indem die BezugsgrĂśĂe 1Ⲡin Beziehung zur individuellen Winkel-Sehschärfe gesetzt wird.
Visus = 1Ⲡ/ (individuelle Winkel-Sehschärfe)
Beispiel: wenn eine Person Punkte erst bei einem Winkelabstand von 2Ⲡtrennen kann, hat sie einen Visus von 0,5.
Statt Winkel kĂśnnen auch Entfernungen bestimmt werden. Wenn man als BezugsgrĂśĂe den Abstand d wählt, bei dem man zwei Punkte unter einem Winkel von 1Ⲡsieht, dann ist:
Visus = individueller Abstand / d
Beispiel: wenn eine Person erst im Abstand von 6 m die Punkte getrennt sehen kann, die bei 12 m einen Winkelabstand von 1Ⲡhaben, hat sie einen Visus von 6/12 = 0,5.
Vergleich zwischen Spezies (in Winkel-Minuten)
⢠Wanderfalke: 0,4â˛
⢠Mensch (Fovea): 0,4Ⲡbis 2,0Ⲡ(1Ⲡ= 3 cm auf 100 m)
⢠Katze: 5â˛
⢠Frosch: 7â˛
⢠Elefant: 10,3â˛
⢠Ratte: 40â˛
Siehe Linsenauge zum Vergleich der Sehschärfen anderer Tiere.
⢠Honigbiene: 60â˛
⢠Einsiedlerkrebs: 270â˛
⢠Taufliege: 540â˛
Visusangaben in Prozent
Vielfach wird zur Beschreibung des Visus eine Prozentzahl angegeben.
Visus = 100 % à 1Ⲡ/ (individuelle Winkel-Sehschärfe)
Eine solche Angabe scheint zwar leichter verständlich und wird zur vermeintlich besseren Verständigung gegenßber Patienten in der Regel verwendet. Bei genauer Betrachtung ist sie allerdings irrefßhrend; es existieren dabei vier Probleme:cite-ref-5[5]
1. Der Prozentwert hat keinen inhaltlich klaren Bezug (Prozent wovon?);
2. Es wird der Eindruck erweckt, die Stufen hätten gleiche subjektive und objektive Bedeutung (Gleichabständigkeit, s. Intervallskala); tatsächlich haben aber Verluste im unteren Bereich der Skala eine weit hÜhere Bedeutung;
3. 100 % kann als hĂśchste erreichbare Sehschärfe missverstanden werden (âvolle Sehschärfeâ); letztere ist aber fast doppelt so hoch;
4. Es scheint einen Nullpunkt zu geben (s. Verhältnisskala), das ist aber physikalisch nicht mÜglich.
Der Gebrauch dieser Prozentangabe wird jedoch auch nahegelegt durch die Tatsache, dass ein AuflĂśsungsvermĂśgen von 1 Bogenminute innerhalb des Normbereichs jeder Altersgruppe liegt und deshalb ein Visus von â100 %â regelmäĂig als (noch) normal betrachtet werden kann. Im deutschen Sozialrecht ist dementsprechend, unabhängig vom Alter, ein Visus von 1,0 als nicht eingeschränkt definiert.
Bedeutung der Sehschärfe
Die Sehschärfe ist der wichtigste bestimmbare Parameter des Sehsinns.
Der normale Visus ist altersabhängig und liegt bei einem 20-jährigen Menschen bei 1,0 bis 1,6, bei einem 80-jährigen bei 0,6 bis 1,0.
Der Visus ist in der Augenheilkunde der Zielparameter, dessen Verbesserung oder Erhalt mit den meisten ophthalmologischen MaĂnahmen angestrebt wird. Zahlreiche rechtliche Vorschriften, die die Eignung fĂźr die Bedienung gefährlicher Geräte (zum Beispiel Kraftfahrzeuge) oder fĂźr bestimmte Berufe (zum Beispiel Polizist) festlegen, verlangen bestimmte Mindest-Visuswerte. Ebenso richten sich Leistungen privater und gesetzlicher Unfallversicherungen fĂźr Augenschäden und die Zahlung des gesetzlichen Blindengelds in erster Linie nach dem Visus.
Deutliche Sehweite
Nicht zu verwechseln mit der Sehschärfe ist der Begriff der deutlichen Sehweite, auch Bezugssehweite oder Normsehweite genannt. Sie ist festgelegt auf 250 mm. Die BezugsgrĂśĂe ist erforderlich, um beispielsweise den VergrĂśĂerungsfaktor einer Lupe zu definieren.
Physiologie der Sehschärfe
Die Sehschärfe des Menschen ist abhängig von:
⢠der Abbildungsqualität auf der Netzhaut, welche bestimmt wird durch
⢠die brechenden Medien des Auges â Hornhaut, Kammerwasser, Linse und GlaskĂśrper â
⢠und die Refraktion des Auges
⢠sowie den Brechungsindex des Mediums, das von auĂen an die Hornhaut grenzt (Luft, Wasser);
⢠den optischen Eigenschaften des Objekts und seiner Umgebung (Kontrast, Farbe, Helligkeit);
⢠der Form des Objekts, denn das die Netzhautsignale verarbeitende zentrale Nervensystem ist in der Lage, bestimmte Formen (wie horizontale und vertikale Geraden, rechte Winkel, in einer Flucht liegende Linien bei einem Nonius) hÜher aufzulÜsen als es allein nach dem AuflÜsevermÜgen der Netzhaut zu erwarten wäre;
⢠der Netzhautstelle, mit der fixiert wird;
⢠dem AuflÜsungsvermÜgen des Augapfels.
Bei der praktischen Messung des Visus spielt auĂerdem die Fähigkeit, den Seheindruck zu beschreiben, eine wesentliche Rolle.
Die GrĂśĂe der Augen-Pupille begrenzt die AuflĂśsung des Augapfels physikalisch, physiologisch sind es die Dichte der Rezeptoren (Stäbchen und Zapfen) und die Signalverarbeitung durch Ganglienzellen der Netzhaut (s. deren rezeptive Felder). Die AuflĂśsung erreicht ihren hĂśchsten Wert bei ausreichender Helligkeit im Zentrum der Fovea centralis (âSehgrubeâ), also bei zentraler Fixation. Der Bereich hĂśchster Sehschärfe (das âfoveale Bouquetâ) umfasst nur etwa 8 bis 16 Winkelminuten,cite-ref-myths-6-0[6] ist also noch wesentlich kleiner als die Foveola, die etwa 1,4° durchmisstcite-ref-polyak-7-0[7]. Von dort aus ist es eine kontinuierliche Abnahme, etwa in Form einer Hyperbel (s. Abbildung). Bei einer exzentrischen Fixation von etwa 1° hat die periphere Sehschärfe bereits auf die Hälfte abgenommen.cite-ref-strasburger-8-0[8]
Bei der Geburt ist die Sehschärfe des Kindes noch nicht voll entwickelt. Sowohl die Netzhaut als auch die Sehrinde des Kortex entwickeln sich in den ersten Lebensjahren.cite-ref-9[9]
Untersuchung und Methoden
Die Bestimmung der Sehschärfe geschieht ßblicherweise mit Methoden der Psychophysik. Den Probanden werden Sehzeichen präsentiert, und aus ihren Antworten ist zu ersehen, ob sie sie richtig erkannt haben. Daneben existieren auch objektive Verfahren, die die unwillkßrlichen Reaktionen auf kleiner werdende Reizmuster bewerten, und so eine Beurteilung des Visus zulassen. Hierzu gehÜrt beispielsweise die Prßfung des optokinetischen Nystagmus oder das Preferential Looking bei Kleinkindern und Säuglingen.
In Deutschland wird der Visus meist mit Hilfe von projizierten Sehzeichen definierter GrĂśĂe, Helligkeit, Form und definierten Kontrasts bestimmt. Die Verwendung eines Projektors anstelle einer Tafel hat den Vorteil der Unabhängigkeit von der PrĂźfentfernung. FĂźr eine reproduzierbare VisusprĂźfung existieren DIN-Vorschriften. Danach ist das Norm-Sehzeichen der sogenannte Landoltring, ein Ring definierter Breite mit einer LĂźcke von derselben Breite, die in acht verschiedenen Richtungen angeordnet sein kann. Durch das Erkennen der Richtung der LĂźcke zeigt der Untersuchte, dass sein AuflĂśsungsvermĂśgen mindestens der Breite der LĂźcke entspricht. In der Praxis werden allerdings wegen der leichteren Verständigung meist genormte Abbildungen von Zahlen als Sehzeichen verwendet. Es existieren weitere genormte Sehzeichen, so das Snellen-Ecite-ref-10[10], der PflĂźger-E-Haken, bei dem der mittlere Strich kĂźrzer ist, sowie andere, die fĂźr die VisusprĂźfung von Analphabeten und Kindern im Vorschulalter sowie fĂźr die nicht-verbale Verständigung geeignet sind. Auf den meisten Sehzeichenprojektoren werden Zeichen bis zu einer Visusstufe von 0,05 (entsprechend ca. 0,3°) angeboten. Dies ist in der mit zunehmender Sehschwäche anwachsenden Messungenauigkeit begrĂźndet. FĂźr noch geringere Visuswerte werden Sehprobentafeln verwendet (s. u.) bzw. Fingerzählen, Handbewegungen und Lichtquellen benutzt.
Bei der Bestimmung des Visus wird zwischen demjenigen mit Korrektur, wie Brille oder Kontaktlinse, und demjenigen ohne Korrektur unterschieden. Dabei bezeichnet man die Sehschärfe ohne Korrektur auch als Rohvisus. Häufig werden auch die AbkĂźrzungen s.c. (sine correctione, lateinisch fĂźr âohne Korrekturâ) und c.c. (cum correctione, lateinisch fĂźr âmit Korrekturâ) verwendet. Diejenige optische Korrektur, die den hĂśchsten Visuswert ergibt, wird häufig als die âbeste Korrekturâ bezeichnet. Die MĂśglichkeit der optischen Korrektur bewirkt, dass der Visus unabhängig von den Brechungseigenschaften des Auges ist. Der Visus im Sinne der obigen Definition ist also der Visus mit bester Korrektur.
Mit einer Sehschärfe trotz optimaler Brillen- oder Kontaktlinsenkorrektur von weniger als 1/50 = 0,02 (ermittelt mit Sehprobentafeln) auf dem besseren Auge gilt eine Person im Sinne des Sozialgesetzbuchs in Deutschland als blind, fßr die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab einer Sehschärfe von 3/60 = 0,05 oder weniger.
Sehprobentafeln
Bei der Verwendung von Sehprobentafeln muss, wegen der unveränderlichen GrĂśĂe der Sehzeichen, auf das genaue Einhalten der PrĂźfentfernung geachtet werden. Des Weiteren ist das Einhalten der richtigen (recht hellen) Beleuchtung der Tafel wichtig, da die Sehschärfe wesentlich von der Leuchtdichte des weiĂen Hintergrunds abhängt. Nach der 2009 eingefĂźhrten DIN-Norm 58220 soll die PrĂźfleuchtdichte 80â320 cd/m² betragen.cite-ref-dog-11-0[11] Eine bekannte Sehprobentafel ist der Snellen-Index, erstellt vom niederländischen Ophthalmologen Herman Snellen, bei dem kleiner werdende Buchstaben und Zahlen gelesen werden mĂźssen. Es gibt auch hier diverse andere Tafeln.
Sehprobentafeln sind auf eine Normentfernung geeicht. Der Visus wird durch einen Bruch ermittelt. Im Zähler steht die Ist-Entfernung, also die Entfernung, aus der der Untersuchte das Sehzeichen erkennt. Im Nenner steht die Normentfernung, die Entfernung, bei der ein Mensch mit einer Sehschärfe von 1,0 dasselbe Sehzeichen erkennen kĂśnnte. Gemessen wird die Entfernung entweder im metrischen System oder bei Snellen im englischen Foot-MaĂ, die ineinander umgerechnet werden kĂśnnen. Häufig erfolgt die Angabe der Sehschärfe als Dezimalzahl.
| Visus | Visus | Visus | Winkel in Minuten | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Metrisch | Dezimal | Snellen | Winkel in Minuten | Besonderheit |
| 6/3 | 2,0 | 20/10 | 0,5Ⲡ| |
| 6/4,5 | 1,33 | 20/15 | 0,75Ⲡ| |
| 6/6 | 1,0 | 20/20 | 1Ⲡ| Norm-Wert |
| 6/7,5 | 0,8 | 20/25 | 1,25Ⲡ| |
| 6/9 | 0,67 | 20/30 | 1,5Ⲡ| |
| 6/12 | 0,5 | 20/40 | 2Ⲡ| |
| 6/15 | 0,4 | 20/50 | 2,5Ⲡ| |
| 6/30 | 0,2 | 20/100 | 5Ⲡ| |
| 6/60 | 0,1 | 20/200 | 10Ⲡ| |
| 6/120 | 0,05 | 20/400 | 20Ⲡ| blind laut WHO |
| 6/300 | 0,02 | 20/1000 | 50' | blind laut SGB |
Ablese-Beispiel: Erkennt ein Patient ein Zeichen aus der Entfernung von 6 Metern bzw. 20 FuĂ, fĂźr das die Normentfernung 30 Meter bzw. 100 FuĂ beträgt, so ist sein Visus metrisch 6/30, dezimal 0,2, Snellen 20/100, was in jedem Fall 5 Winkelminuten entspricht.
Kontureninteraktion, Crowding
Sehzeichen, die eng nebeneinander stehen, kĂśnnen weniger gut erkannt werden, da dicht benachbarte Konturen das AuflĂśsungsvermĂśgen beeinträchtigen (Trennschwierigkeiten oder Crowding.cite-ref-levi-2008-12-0[12]cite-ref-str-2011-13-0[13]cite-ref-myths-6-1[6]). Dies kann bei Reihenoptotypen eine Verschlechterung von bis zu einer Visusstufe ausmachen. Bei Amblyopie,cite-ref-stuart-burian-14-0[14] Nystagmus oder ungenĂźgend korrigierter Ametropie kĂśnnen die Unterschiede zwischen Reihen- und Einzeloptotypen sogar ganz erhebliche Auswirkungen haben. Bei Landoltringen ist deshalb ab einer Sehschärfe von 0,32 und fĂźr alle grĂśĂeren Sehzeichen ein Mindestabstand der Optotypen zueinander vorgeschrieben, der grĂśĂer als 35 Winkelminuten sein soll. Diese Entfernung liegt (beim fovealen Sehencite-ref-myths-6-2[6]) auĂerhalb der Zone von Konturinteraktionen. Bei kleineren Sehzeichen ab einem Visus von 0,4 wird jedoch lediglich der zweifache Durchmesser des Landoltrings als Abstand der Sehzeichen untereinander gefordert. Damit geraten sie in die Interaktionszone. Aus diesem Grunde wurden fĂźr klinische Untersuchungen spezielle Tests mit Landoltringen (C-Test) entwickelt, die eine klare Trennung zwischen Einzel- und Reihensehzeichen aufweisen. Hierbei sind bei den Einzeloptotypen alle Sehzeichen durch alle Visusstufen hindurch mindestens 35 Winkelminuten voneinander entfernt. Bei den Reihenoptotypen beträgt der Abstand durch alle Visusstufen hindurch exakt 2,6 Winkelminuten. Die PrĂźfdistanz liegt in beiden Fällen bei 40 cm.
Differentialdiagnostik
Zur Beurteilung, ob die Sehschärfe eines Probanden refraktionsbedingt, also auf Grund einer nicht oder nur unzureichend korrigierten Fehlsichtigkeit (Ametropie) vermindert ist, oder ob dies durch organische oder funktionelle Probleme verursacht wird, kann die Verwendung einer stenopäischen LĂźcke sinnvoll sein. Eine MĂśglichkeit, organisch bedingte Sehminderungen von funktionellen zu unterscheiden, ist der so genannte Ammannâsche Grauglastest.
Siehe auch
Literatur
⢠Franz Grehn: Augenheilkunde. 30. Auflage. Springer Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-540-75264-6.
⢠Herbert Kaufmann (Hrsg.): Strabismus. Unter Mitarbeit von Wilfried de Decker u. a. Enke, Stuttgart 1986, ISBN 3-432-95391-7.
⢠de Jong, Paulus TVM: A history of visual acuity testing and optotypes. Eye 38.1 (2024): 13-24.
Weblinks
⢠Literatur von und ßber Sehschärfe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Sehschärfebestimmung nach Europäischer Norm: wissenschaftliche Grundlagen und Messverfahren (Univ. Freiburg)
⢠Messung der Sehschärfe per Computerbildschirm und Browser (Freiburg Vision Test (âFrACTâ)) (englisch)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Herbert Kaufmann: Strabismus. 4. grundlegend Ăźberarbeitete und erweiterte Auflage, unter Mitarbeit von W. de Decker u. a., Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 2012, ISBN 978-3-13-129724-2.
cite-note-hooded-rat-22. â J. Keller, H. Strasburger, D. T. Cerutti, B. A. Sabel: Assessing spatial vision â automated measurement of the contrast-sensitivity function in the hooded rat. In: Journal of Neuroscience Methods. Band 97, 2000, S. 103â110.
cite-note-33. â Die Gittersehschärfe wird in Keller u. a. (2000) mit 0,86 Perioden/Grad geschätzt. Eine halbe Periode (=1 Gitterbalken) hat die 1,4 â 2-fache Breite der LĂźcke (Heinrich & Bach, 2013). Damit entspricht das etwa 24' â 17' Landolt-LĂźcke
cite-note-55. â Gullstrand Tutoring: Die SehleistungslĂźge youtube.com
cite-note-polyak-77. â S. L. Polyak: The Retina. The University of Chicago Press, Chicago, 1941.
cite-note-strasburger-88. â H. Strasburger, I. Rentschler, M. JĂźttner: Peripheral vision and pattern recognition: a review. In: Journal of Vision. Band 11, Nr. 5, 2011, S. 1â82 (journalofvision.org).
cite-note-99. â Jutta Kienbaum, Bettina Schuhrke: Entwicklungspsychologie des Kindes Von der Geburt bis zum 12. Lebensjahr. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2010, S. 75.
cite-note-1010. â Im deutschsprachigen Bereich wird das Snellen-E oft fälschlich als âSnellen-Hakenâ oder âE-Hakenâ bezeichnet. Das ist insofern irrefĂźhrend als Snellen seinerzeit zwei verschiedene Optotypen eingefĂźhrt hat, das Snellen-E (engl. "Snellenâs E"), und den Snellen-Haken (engl. "Snellen hook"). Letzterer ist ebenfalls quadratisch, hat aber nur zwei âZinkenâ (d. h. hat die Form von einem âCâ oder âUâ). Aus ihm hat Landolt den Landolt-Ring entwickelt. Z. B. schreibt Fick (1898, S. 339): "Die Messungen haben wir selbstverständlich nach Snellen's Methode vorgenommen, aber nicht mit Buchstaben, auch nicht mit den dreizinkigen Haken âż , sondern mit den einfachen Haken â, die, wie Steiger1) Ăźberzeugend dargethan hat, fĂźr wissenschaftliche PrĂźfungen den Vorzug verdienen." Oder im Lehrbuch von Le Grand (1967, S. 84): âA test object similar to the Landolt ring is the Snellen hook, in the form of a U, the opening of which can be placed in four different positions (Fig. 26).â Referenzen: A. E. Fick: Ueber Stäbchensehschärfe und Zapfensehschärfe. In: Archiv fĂźr Ophthalmologie. 45, 1898. S. 336â356. Yves le Grand: Form and Space Vision. Indiana University Press, 1967, S. 84.
cite-note-levi-2008-1212. â Dennis M. Levi: Crowding â an essential bottleneck for object recognition: a minireview. In: Vision Research. Band 48, Nr. 5, 2008, S. 635â654.
cite-note-str-2011-1313. â H. Strasburger, I. Rentschler, M. JĂźttner: Peripheral vision and pattern recognition: a review. In: Journal of Vision. Band 11, Nr. 5, 2011, S. 1â82 (journalofvision.org).
cite-note-stuart-burian-1414. â J. A. Stuart, H. M. Burian: A study of separation difficulty: its relationship to visual acuity in normal and amblyopic eyes. In: American Journal of Ophthalmology. Band 53, 1962, S. 471â477.